Wir verließen Wien in den frühen Morgenstunden des letzten Novembertages 2017. Es schneite. Als wir in Freetwon landeten, empfingen uns 30 Grad Hitze und extreme Luftfeuchtigkeit. Nach all der Vorfreude, Aufregung und Planung – inklusive zahlreicher Impfungen – waren wir endlich angekommen.

Das Klima in Sierra Leone, einem der ärmsten Länder der Welt, ist das ganze Jahr über tropisch und heiß. Der plötzliche Wechsel von den eisigen Temperaturen zur tropischen Hitze war ein Schock. Wir traten ein in dieses unbekanntes Universum mit neuen Sehenswürdigkeiten, Klängen und Farben.

Afrika für Fortgeschrittene – nun ja… 

Am nächsten Morgen wachten wir wachten voller Aufregung darüber auf, die Kinder zum ersten Mal zu treffen. Wir waren noch nie in Afrika. Was wird uns erwarten?

Zum Glück hatten wir unseren Fahrer, Guide und Problemlöser Ibrahim. In seinem robusten Geländewagen brachte er uns nach Waterloo, einem Stadtteil von Freetwon in welchem sich das Zuhause der Kinder befindet.

Wir fuhren an Schulkindern vorbei, die in ihren bunten Uniformen am Straßenrand entlanggingen. Wir wichen Ziegen, Schafen, Hunden und Hühnern aus. Auf der Straße lagen umgestürtzte Lastwagen. Wir wurden von bewaffneten Polizisten an Straßensperren angehalten. Wir folgten Moped-Taxis und extravagant geschmückten Bussen, die farbenfroh ihre Treue zu Jesus und britischen Fußballklubs kundtaten; oder Weisheiten, wie „Geduld ist bitter, aber ihre Frucht ist süß“. Und wir sahen die Reklametafeln, welche werdenden Müttern Mut machen, dass auch ihr Kind HIV-frei geboren werden kann.

Wir bogen schließlich in die Straße zum MercyHome Freetwon ab. Diese glich einer einer Marslandschaft und Ibrahim lachte über unsere „kostenlose afrikanische Massage“ im durchgeschüttelten Geländewagen.

Valerie bemerkte ein paar Kinder am Straßenrand. Es waren zwei der 15 Kinder in „unserem“ Waisenhaus. Sie erkannten uns sofort, rannten zu unserem Fahrzeug und begrüßten uns mit eine großen Grinsen. Dann sahen wir der selbsternannten „Big Chief“ Augustine – mit 19 Jahren der älteste im Waisenhaus. Er stieg ein uns zeigte uns den Weg. Am Haus warteten Mohamed und Aminata mit einem Willkommensbanner. „Anuty“ Valerie bemerkte schnell den Rechtschreibfehler.

Freetowns Armut, Lebensfreude und Optimismus

Valerie hatte seit langem eine Patenschaft für N’Mah übernommen und  nun sahen sich beide zum ersten Mal; am Vorabend von N’Mahs  siebzehntem Geburtstag. Es war ein emotionales Treffen.

Die Kinder, unter der Leitung des Waisenhausdirektors Pastor Obi, hatten eine Willkommensfest mit Beschallungsanlage und Gesang, Tanz, Reden und Gebet vorbereitet. Sie zeigten uns das Haus; welches für manche bereits das sechste Haus ist – so oft mussten die älteren unter ihnen das Waisenhaus wechseln.

Das Haus besteht aus einem kleinen Gemeinschaftswohnzimmer, separate Schlafräume für Jungen- und Mädchen, einer Küche, zwei Badezimmern und einem Raum auf der Rückseite des Anwesens. Im Moment sind die Betten Holzrahmen auf dem Fliesenboden, manche Kinder müssen auf Matratzen schlafen. Ein kleiner Generator liefert Strom; Wasser muss von einem Brunnen geholt werden. Jedem der Kinder wird im Haus Verantwortung übertragen; sei es kochen, putzen, waschen oder Wasser holen. Es ist kein einfaches Leben, aber alle schauen voller Optimismus in die Zukunft.

Lesen Sie hier den zweiten Teil unseres Reiseberichts.